Social Networking – Missbrauch, Schutz der Privatsphäre?
Social Networking Plattformen boomen zur Zeit und lassen uns an das Zeitalter vor dem Platzen der dot com Blase erinnern.
Die von Euphorie gepackten User geben auf den unzähligen Plattformen ala Xing, LinkedIn, Facebook & Co. all ihre persönlichen Daten bekannt.
Dass die User für die Plattformbetreiber quasi kostenlos sehr detailierte Benutzerprofile erstellen und diese in Zukunft über 20 Subunternehmen für Werbemaßnahmen verkauft werden könnten, ahnen die wenigsten. Ob und in wie weit hierbei der Datenschutz greift ist eher fraglich und eher eine rechtliche Grauzone. Vor allem wenn man bedenkt, dass in Österreich das Datenschutzgesetz schon in die Jahre gekommen ist und dringend überarbeitet werden müsste!
Anbei möchte ich ein paar wenige Horrorszenarien beschreiben, welche den Missbrauch von diesen Social Networking Plattformen besser schildern:
Phänomen “Jeder möchte der Beste sein!”
In den diversen Plattformen ala Xing habe ich die persönliche Beobachtung gemacht, dass die Heavy-User (und davon gibt es mittlerweile reichlich) sich gegenüber den anderen Usern besonders profilieren möchten. Das führt dazu, dass ziellos und ohne über Konsequenzen nachzudenken, online Kontakte geknüpft werden. Zum Beispiel kann man ohne Umstände beobachten, welche Personen an welchen Projekten arbeiten und welche Mitarbeiter von welchen Unternehmen welche Kunden aktuell versuchen zu aquirieren (Zuviele “welche”, aber das war Absicht
. In bestimmten Situationen (z.B. bei einem Pitch) kann dies natürlich auch fatal sein. Das beste Beispiel liefert XING mit der Funktion “Neues aus meinem Netzwerk”. So weiß man immer, wer mit wem wann in Kontakt steht
Natürlich ist diese Funktion bei jedem User standardmäßig aktiviert.
Anscheinend versucht man auf diesen Portalen seine eigene Person so gut wie möglich zu verkaufen. Sicher nichts schlechtes, aber man sollte die Werkzeuge wirklich nur gezielt einsetzen, sonst kann dies auch nach hinten losgehen, auch wenn die Konsequenzen nicht sofort spürbar sind.
Benutzerprofile und -verhalten missbrauchen
Die Deutsche Telekom hat uns dieses Jahr ein Paradebeispiel für den Datenmissbrauch geliefert. Dabei wurden gezielte Daten von bestimmten Personen ausgeforscht und illegal für Unternehmensentscheidungen missbraucht. Wenn dies die Deutsche Telekom kann, warum sollte dies nicht Xing, Facebook, Google, etc können?
Dieses Beispiel der Deutschen Telekom sollte uns sehr zu bedenken geben! Das Spiel könnte man noch weiter treiben. Man stelle sich vor, Google, Facebook und Co. verfügen über detailierte Benutzerprofile und wissen genau über das Surfverhalten von bestimmten Managern bescheid. All diese Daten können die Plattformbetreiber zu eigenen Gunsten missbrauchen. z.B könnten sie über das Surfverhalten eines Managers evtl. auf die zukünftigen Unternehmenstrategien schließen. Über zukünftige Firmenkäufe etc. wären sie bestens informiert. Gar nicht daran zu denken, dass soetwas die Börse beeinflussen könnte, vor allem wenn man soviel Macht, Einfluss und Kapital wie z.B Google hat.
Profile werden nicht gelöscht!
Es ist schon sehr schwer sich aus dem Google-Index löschen zu lassen. Noch schwieriger wird es, wenn man sein Benutzerprofil aus einer Social Networking Plattform entfernen möchte. Was die wenigsten wissen: Die Benutzerprofile bleiben in den diversen Datenbanken bestehen und werden nur als “gelöscht” markiert.
Zentrale Registry für Benutzerprofile?
OpenID ist vom Ansatz her eine gute Idee, allerdings sollte dieses Konzept um einige Punkte erweitert werden. z.B wäre es sinnvoll, Benutzerdaten in einer zentralen Registry mittels OpenID zu verwalten und die Berechtigungen auf Daten steuern zu können. Dies könnte dann von allen Social Networking Plattformen integriert werden und die Benutzer müssten nicht in jeder Plattform extra Einstellungen treffen. Provider wie claimID und Infocards verfolgen diese Idee vom Identiymanagement bereits. Jedoch sind solche Technologien in Social Networking Plattformen nocht nicht weit verbreitet.
Prinzipiell bin ich sehr für eine offene Kommunikation und Unternehmensstrategie und sehe, dass dies in meinem jetzigen Unternehmen sehr gut und erfolgreich funktioniert. Allerdings sollten die Plattformen auch daran denken, ahnungslose User genauer aufzuklären!
Kommentare, Anregungen und Ideen zu diesem Beitrag sind natürlich herzlich willkommen!
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Comments ( 1 Comment )
Andreas Slejs added these pithy words on Mar 31 09 at 1:23 amHallo Robert!
Meinen Beitrag werde ich mit einem Zitat von Bertolt Brecht einleiten.
“Man hatte plötzlich die Möglichkeit, allen alles zu sagen, aber man hatte, wenn man es sich überlegte, nichts zu sagen. Ein Mann, der was zu sagen hat und keine Zuhörer findet, ist schlimm daran. Noch schlimmer
sind Zuhörer daran, die keinen finden, der ihnen etwas zu sagen hat.”Dieses Zitat stammt aus den Jahren 1920/30, zu den Schriften zur Radiotheorie. Brecht versuchte eine Möglichkeit zu finden, zwischen Sender und Empfänger – also zwischen Produzent und Hörer – eine Interaktion herzustellen, die sehr stark an „Social Networkings“ wie
sie jetzt im Internet zu finden sind erinnert.Die Versuche von Brecht, Interaktion mit Sender und Empfänger herzustellen, sind gescheitert. Gerade als sich der Rundfunk etabliert hat, kamen die wirren des Zweiten Weltkriegs dazwischen. Der Rundfunk wurde politisiert. Es wurde zwar Meinung verbreitet aber nur in
eine Richtung, von Sender zu Hörer. Die einzige (erlaubte) Interaktion waren Wunschkonzerte. Aber sogar die waren einer politischen Meinungsverbreitung unterworfen. Musik vom „Feind“ wurde nicht gesendet,
zB Amerikanische Musik wie Jazz in DE und AT.Selbst in Ländern die nicht in unmittelbarer Gefahr eines Aggressors standen, wie die USA, wurde mittels Rundfunk Propaganda gemacht. Auch dort war die Verbindung von Hörer zu Sender starken Beschränkungen Unterworfen.
Was hat das nun mit deinem Thema
Social Networking – Missbrauch, Schutz der Privatsphäre?
zu tun. Ganz einfach, Manipulation der Meinung.Kritik
Die Nachwirkungen dieser Stattlich Verordneten Beschränkung in der Meinungsäußerung, wirkten in Österreich bis ins Jahr 1998. Erst seit diesem Jahr
war es auch privaten Erlaubt Rundfunk zu betreiben. Doch das eigentlich vorrangige Bedürfnis, Meinung abseits von stattlicher Kontrolle zu verbreiten, wurde enttäuscht.Statt dessen treten kommerzielle Stationen auf, die ausschließlich kommerzielle Interessen verfolgen, für die
private Meinungen nicht maßgeblich, ja sogar schädlich sind.Und heute am 31.03.2009, wird wohl im Österreichischen Parlament, in der Debatte zum ORF, der weitere Weg zur Beeinflussung der Meinung kommuniziert werden. Und das Internet wird dabei keine Rolle spielen!
Brecht’s Kernaussage
“dass der Hörfunk nichts Neues übertrage, sondern nur Vorhandenes imitiere”, kann nach meiner Meinung für das Medium Internet 1:1 übertragen werden.LG,
Andreas
